Seit Wochen reißt die Kritik rund um das Robert-Koch-Institut und seinen Chef, Lothar Wieler, nicht ab. Erst kamen die nicht abgesprochenen knallharten Forderungen vor der letzten Ministerpräsidentenkonferenz (MPK). Nun werden wieder einmal die erarbeiteten Zahlen in Frage gestellt. Das Vertrauen in die Behörde schwindet.

Anhander der aufbereiteten und vor allem der prognostizierten Corona Fallzahlen trifft die Politik seit knapp zwei Jahren die Entscheidungen. Lockdown, Schulschließungen, 3G am Arbeitsplatz oder Boosterimpfung. Alle diese Entscheidungen gehen auf die Zahlen des RKI zurück und auch auf die Empfehlungen die das Institut ausspricht.

Eine INSA Umfrage ergab letzte Woche, dass nur noch 32 % der Deutschen Vertrauen in die Corona Zahlen haben. Auch der Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach gab bereits öffentlich zu, dass die Zahlen aktuell “nicht repräsentativ” seien. Er selbst geht davon aus, dass der Anteil von Erkrankten, die die Omikron Variante haben, “zwei bis drei Mal so hoch sei“. Der Gesundheitsminister schätzt die Zahlen also einfach. Und anhand seiner eigenen Schätzung fordert er dann verschärfte Maßnahmen, welche unter anderem elementare Grundrechte einschneiden.

Fakt ist, dass sämtliche Prognosen zu der neuen Omikron Variante bislang nicht eingetroffen sind. Der Modellierer Prof. Thorsten Lehr prognostizierte kurz vor Weihnachten, dass wir zum Jahreswechsel Inzidenzen von “um die 1.000” haben werden. Sechs Millionen gleichzeitig Infizierte würden durch Krankheit und Quarantäne Maßnahmen das komplette System lahmlegen. Das sind fast so viele Infizierte wie offiziell seit der gesamten Pandemie in der Bundesrepublik nachgewiesen wurden.

Das war Panikmache, die schlicht niemals eingetreten ist. Von dem Professor kein Wort der Entschuldigung, kein Zurückrudern. Stattdessen fielen die Zahlen knapp vier Wochen lang. Mittlerweile steigen sie seit einer Woche wieder, haben aber mit Stand heute einen Inzidenzwert von 258,6. Das Erfreuliche: Obwohl die Fallzahlen wieder steigen, sinkt die Krankenhausinzidenz weiterhin ab. Am gestrigen Dienstag lag sie noch bei 3,12. Weit entfernt von ihrem Höchststand im Dezember 2020.

In diesem Trend spiegelt sich die Einschätzung und Analyse einiger Studien wieder. Die Omikron Variante sei zwar ansteckender, aber bei weitem nicht so gefährlich wie die vorherigen Varianten. Die Fallzahlen steigen, die Anzahl an Menschen, die wegen einer Erkrankung ins Krankenhaus eingeliefert werden, nimmt glücklicherweise ab.

Im letzten Jahr wurde die Krankenhausinzidenz zum entscheidenden Faktor in der Pandemie gemacht. Seitdem findet sie allerdings kaum noch Beachtung im öffentlichen Diskurs. Mittlerweile stehen wieder die Fallzahlen im Mittelpunkt. Heute treten die Gesundheitsminister der Länder zusammen, am Freitag findet die nächste MPK statt. Im Raum stehen nun auch schon wieder Schulschließungen und Distanzunterricht. Und das alles auf der Basis von nicht fundierten Zahlen.

Bei diesem Hin und Her braucht man sich nicht wundern, warum nur noch ein Drittel der Deutschen Vertrauen in die Corona Zahlen und die damit verbundenen Maßnahmen hat.

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