WhatsApp, Threema, Telegram oder Signal? Welche Sicherheitslücken haben die einzelnen Messenger? Deutschland aktuell hat euch die wichtigsten Fakten zusammengefasst.

Über kaum ein anderes Medium wird heutzutage mehr kommuniziert, als über das Smartphone. Um diese Kommunikation einfacher und komfortabler zu machen, gibt es schon seit langem nicht nur die Möglichkeit Textnachrichten per SMS zu versenden. Ein Vielzahl an Messengern ermöglicht es Nutzern miteinander zu kommunizieren und Inhalte zu teilen.

97 % legen Wert auf Datenschutz und abhörsichere Kommunikation

Der unangefochtene Platzhirsch unter den Messengern ist seit vielen Jahren WhatsApp. Laut einem Bericht aus dem vergangenen Jahr auf basicthinking nutzen 94,3% der Smartphonenutzer WhatsApp. Lediglich 12,6 % nutzten Telegram. Threema und Signal landeten mit 3,1 % und 2,3 % auf den letzten Plätzen. Doch wie sicher ist die Kommunikation über Messenger wie WhatsApp?

Bei einer Umfrage im Telegram-Kanal von Deutschland aktuell zum Thema „Wie wichtig sind für euch Datenschutz und abhörsichere Kommunikation bei einem Messenger?“ gaben 97% an, dass ihnen dieses Thema „sehr wichtig“ sei.

Dies hatte unsere Redaktion zum Anlass genommen bedeutende Messenger Apps unter die Lupe zu nehmen.

WhatsApp

Als meist genutzter Messenger hatte WhatsApp zeitweise eine quasi Monopolstellung. Fast jeder Smartphonebesitzer nutzt die App zur Kommunikation und zum Teilen von Inhalten.

Als Facebook 2014 WhatsApp übernahm schlug dies hohe Wellen und hinterließ einen leichten Beigeschmack bei vielen Nutzern, die um ihre Datensicherheit besorgt waren.

Diese Sorgen sind nicht unberechtigt. Schon vor der Übernahme durch Facebook galt WhatsApp nicht als der sicherste Messenger auf dem Markt. Doch gerade seit der Übernahme vom Giganten Facebook musste fortan befürchtet werden, dass private Daten an den Mutterkonzern weitergegeben werden.

So muss man unter anderem der App sein privates vollständiges Adressbuch freigeben. Außerdem kann der Onlinestatus nicht verborgen werden und die Nachrichten und Daten sind trotz Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auf den Geräten, mit welchen man die App nutzt, unverschlüsselt für jeden Menschen einsehbar, der sich darauf Zugriff verschafft. Dies können zum einen Hacker, aber auch Geheimdienste oder Behörden sein.

Telegram

Laut einer Umfrage unserer Leserschaft bevorzugen 73% den Messenger Telegram. Exakt 39% unserer Leser halten Telegram für den sichersten Messenger.

Ursprünglich aus Russland, mit aktuellem Sitz in Dubai (nach Angaben der Geschäftsführung, ein Impressum ist nicht vorhanden) ist Telegram mittlerweile zum zweit beliebtesten Messenger in Deutschland herangewachsen.

Mit der Ende-zu-Ende Verschlüsselung, welche nur aktiv ist, sofern man diese auch manuell einschaltet und der Möglichkeit von selbstzerstörenden Nachrichten, suggeriert Telegram einen sicheren Eindruck, als WhatsApp. Jedoch kann auch Telegram von Hackern, Geheimdiensten und anderen Gruppierungen geentert und ausspioniert werden, ohne dass der Nutzer davon erfährt.

Dies bestätigen zahlreiche Berichte aus dem Netz.*

Threema

In der Umfrage unserer Leserschaft gaben 31% an, dass sie den Messenger Threema für den sichersten Messenger halten, jedoch nutzen nur 7% der Befragten die App.

Den großen Vorteil, den Threema gegenüber den anderen Messenger Apps hat, ist die Tatsache, dass sie auch ohne jegliche personenbezogene Angaben auskommt und somit absolut anonym genutzt werden kann. Auch werden weder Adressbuch, Telefonnummer, Emailadresse, oder andere Informationen durch die App weitergeleitet. Das abspeichern dieser Informationen geschieht nur auf Wunsch und auch dann komplett verschlüsselt.

Als zusätzliche Sicherheit können Threema Kontakte mit einem Code verifiziert werden.

Die Server der App stehen in hochmodernen Rechenzentren in der Schweiz und die Verschlüsselung zwischen den Geräten erfolgt nicht über Ende-zu-Ende, sondern per Forward Secrecy*. Dies verhindert, dass eine Nachricht die abgefangen wird, entschlüsselt werden kann. Dies ist auch der Fall wenn der Angreifer im Nachhinein an den Schlüssel kommt.

Threema kann zusätzlich mit einem PIN-Code oder einer biometrischen Zugangskontrolle versehen werden. Dies ist zwar bei anderen Messenger ebenfalls möglich, jedoch lässt sich die App nicht auslesen, wenn diese Zugangsinformationen nicht vorhanden sind.

Nach längerer Recherche konnte von uns kein Bericht gefunden werden, der darauf hindeutet, dass Threema jemals gehackt oder abgehört werden konnte. Dies bestätigen auch mehrere Strafrechtsanwälte und IT-Experten unabhängig voneinander. Dies macht die App zum vermutlich sichersten Messenger auf dem aktuellen Markt.

Signal

Der Messenger Signal unterscheidet sich gewissermaßen von den anderen Apps. Mit dem Messenger kann man nicht nur verschlüsselt mit anderen Signal Nutzern kommunizieren, sondern auch seinen SMS Messenger ersetzen. Signal unterstützt ebenso dieses Format. Diese Textnachrichten bleiben jedoch unverschlüsselt.

Die Nachrichten werden bei Signal Ende-zu-Ende verschlüsselt, was die geläufigen Messergendienste bis auf Threema ebenfalls tun. Jedoch bietet Signal die Möglichkeit anhand einer Sicherheitsnummer zu bestätigen, dass der Server ordnungsgemäß funktioniert und man mit der richtigen Person kommuniziert, was das Abfangen von Nachrichten verhindert.

Auch der Datenschutz wird bei Signal groß geschrieben. Durch die Veröffentlichung ihres Quellcodes kann in diesem überprüft werden, ob und wie Daten gespeichert oder versendet werden. Signal ist vor allem für seine Datensparsamkeit bekannt, für dessen Umsetzung das sogenannte „Zero-Knowledge-Prinzip“ zur Anwendung kommt. Das bedeutet, dass der Betreiber keinerlei Zugriff auf die Nutzerdaten hat, was unter anderem auch eine FOIA-Anfrage an die zentrale Sicherheitsbehörde der Vereinigten Staaten, auch bekannt als FBI, bestätigte.

Immer wieder gab es Nachrichten darüber, dass Signal abgehört werden kann und Sicherheitslücken aufweist. Dies war jedoch nur der Fall, wenn die Updates des Messengers nicht installiert wurden und somit einen veralteter Stand vorlag.

Fazit

Das Ergebnis unserer Recherche ergab, dass Threema gefolgt von Signal die beiden sichersten Messenger auf dem Markt sind.

Telegram wird von vielen Nutzern fälschlicherweise für sicher gehalten. Da die App nur ein gewisses Maß an Schutz bietet, wenn alle Einstellungen richtig gewählt wurden, ist entsprechende Vorsicht geboten.

WhatsApp belegt bei unserer Recherche den letzten Platz, da bei diesem Anbieter der Datenschutz nicht nachvollziehbar und die Sicherheit als sehr gering angenommen werden kann.

Wir empfehlen allen Lesern: verlagert eure gesamten Privatgespräche wenn möglich zu den Messengern Threema und Signal. Klärt euren Bekanntenkreis auf und motiviert sie zu einem der beiden sicheren Messenger zu wechseln. Telegram dient daher eher der Nachrichtenverbreitung, sowie Nachrichtengewinnung. Privatchats auf Telegram und WhatsApp sollten für unsere Leser im besten Fall der Vergangenheit angehören.

*Quellenangaben:

Informationen zu Threema:

https://threema.ch/de/faq

Iranische Hacker überlisten Verschlüsselung von Telegram und Whatsapp:

https://www.pcwelt.de/news/Iranische-Hacker-ueberlisten-Verschluesselung-von-Telegram-und-Whatsapp-10886471.html

Telegram hacken: Alle Nachrichten mitlesen 2022:

https://www.randombrick.de/telegram-hacken/

Das BKA spioniert seit Jahren Telegram-Nutzer aus:

https://www.vice.com/de/article/435gbd/telegram-ueberwachung-bka-chat-app-verschluesslung

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