Sie sind einer der größten Motoren der Weltwirtschaft. Jährlich liefern sie Millionen Tonnen an Waren von Kontinent zu Kontinent. Aktuell stehen allerdings pandemiebedingt mehr als 600 Containerschiffe vor den größten Häfen der Welt “im Stau”.

Zuletzt waren es, zu Beginn der Pandemie, so viele Schiffe die in der Warteschlange waren. Bereits kurze Verzögerungen können für zusammenbrechende Lieferketten sorgen und tragen natürlich weitere Kosten mit sich. Das Institut für Weltwirtschaft wertet zweimal im Monat die Situation aus, im so genannten “Kiel Trade Indicator”. Auch über diesen Indikator bestätigt sich die angespannte Lage, dass die Menge an Gütern, welche auf den Containerschiffen unterwegs ist, wieder zunimmt.

Vom aktuellen Schiffstau betroffen, sind etwa zwölf Prozent der Güter. Diese liegen auf Schiffen, die eigentlich schon längst entladen hätten werden sollen. Die verschifften Waren hätten entweder bereits weiterverkauft oder weiterverarbeitet werden sollen.

Wenn Händler ihre bestellten Waren nicht erhalten und nicht weiterverkaufen können, entstehen ihnen Kosten, die sie vorher nicht einkalkulieren konnten. Die Folgen sind im schlimmsten Fall Entlassungen und Firmenpleiten. Im weiterverarbeitenden Gewerbe entsteht unnötiger Leerlauf, der ebenfalls zu immensen Kosten führt.

Nordamerika besonders betroffen – Risikofaktor China

Etwa 80 Prozent der Verzögerungen gehen aktuell auf nordamerikanishe Häfen zurück. Es fehlt an allen Ecken und Enden an Personal. Corona und die daraus folgenden Maßnahmen der Politik verschärfen die Situation weiter. Vor L.A. liegen manche Schiffe bereits seit dem 21. Dezember still und sind noch immer nicht entladen. Wann der Entladetermin erfolgt ist unklar. Einige von ihnen nehmen bereits Umwege nach Kanada in Kauf. Die Ware wird dann dort entladen und mit dem Zug oder per LKW weiter transportiert. Die Folgen sind weitere Kosten, die letztendlich auf die Endverbraucher umgelegt werden.

Zu einem weiteren Risikofaktor entwickelt sich China. Im letzten September schloss die Regierung in Peking etliche große Häfen im Zuge der eigenen Corona Politik. Die damaligen Lieferverzögerungen sind teilweise bis heute noch nicht aufgeholt worden.

EU und Deutschland auf Export angewiesen

Die Exportnationen Europas sind auf den weltweiten Schiffverkehr angewiesen. Knapp 80 Prozent der Exporte werden über den Schiffverkehr abgewickelt. Auch die Exportnation Deutschland profitiert von dieser Form des Güterverkehrs. Lieferverzögerungen können sich im Extremfall sehr negativ auf die deutsche und europäische Wirtschaftsleistung auswirken.

In den Häfen angekommen ist das Problem noch nicht zu Ende

Wenn die Ware in den Häfen angekommen ist, ist das Problem der Lieferkette noch immer nicht erledigt. In den großen Häfen der Welt türmen sich aktuell die Container so hoch wie nie zuvor. Der Grund: fehlende LKW Fahrer. Auch hier herrscht seit Jahren ein Personalmangel. Die Ware steht im schlechtesten Fall noch einmal wochenlang in den Zielhäfen, ehe sie auf die kurze regionale Reise geht.

Diese Krise zwingt sämtliche Firmen zu einem Umdenken. Solidere Planung, frühere und optimierte Bestellprozesse, Investitionen in den eigenen Logistikbereich um nicht immer abhängig zu sein und ausreichendes Personal in der Logistik sind die Kriterien, mit denen sich Firmen bereits heute für die Zukunft aufstellen müssen. Auch neue, kürzere und regionalere Beschaffungsprozesse sind ein Teil der Lösung, um sich der Herausforderung der Lieferproblematik zu stellen.

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