Die wiedererstarkte, radikalislamische Miliz Taliban hat die nordafghanische Provinzhauptstadt Kundus erobert. Zuvor wurde die Stadt mit knapp 370.000 Einwohnern zwei Wochen lang von der Miliz belagert. Kundus ist vor allem in Deutschland bekannt. Von 2003 bis 2013 war die Bundeswehr dort stationiert und überwachte die Sicherheit im Norden des Landes.

In den letzten Wochen machten die Taliban immer mehr Gebietsgewinne. In Afghanistan gibt es knapp 400 Bezirke, mehr als die Hälfte wird bereits von den Truppen der Taliban kontrolliert. Nachdem in den letzten Wochen hauptsächlich ländliche Gebiete eingenommen und damit schnell große Landmassen erobert wurden, trauen sich die Taliban nun an die größeren Städte heran. Bevor Kundus erobert wurde konnten die Islamisten bereits die Stadt Sar-i Pul einnehmen.

Seitdem die internationalen Truppen aus Afghanistan abgezogen wurden liefern sich die Taliban immer wieder Gefechte mit den afghanischen Streitkräften. In den letzten Wochen konnten sie ihnen nicht viel entgegen setzen.

Es bleibt abzuwarten wie sich die Lage in Afghanistan weiter entwickelt. 20 Jahre Krieg, Besatzung und Wiederaufbau konnten nicht dafür sorgen, dass die Taliban von der Bildfläche verschwinden. Aufgrund dieser Umstände muss genau hinterfragt werden, welchen Sinn der Einsatz überhaupt hatte, der auch 59 Bundeswehrsoldaten das Leben gekostet hat. Die Region ist nach wie vor ein Pulverfass, der Bürgerkrieg längst in vollem Gange.

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