Vor wenigen Wochen unterlag Marine LePen noch bei der Präsidentschaftswahl gegen Emmanuel Macron. Bei den gestrigen Parlamentswahlen schaffte ihre Partei, nach eigenen Angaben, ein “Tsunami” Ergebnis. Im kommenden Parlament hat die Partei elfmal so viele Sitze als in der zurückliegenden Legislaturperiode.

Normalerweise sind die Parlamentswahlen in Frankreich eine ruhige Veranstaltung. In der Regel erhält der kurz zuvor gewählte Präsident die absolute Mehrhet um damit regierungsfähig zu sein. Die französischen Wähler straften Emmanuel Macron gestern allerdings kräftig ab. Die absolute Mehrheit wurde klar verfehlt. 244 von 577 Sitze konnte seine Partei für sich verbuchen. 289 wären nötig gewesen.

Ein linkes Bündnis um den Politiker Jean-Luc Mélenchon erreichte 127 Sitze und ist damit die stärkste Opposition im Parlament. Die Partei “Rassemblement National” (RN) um die Präsidentschaftskandidatin Marine LePen konnte ein historisches Ergebnis einfahren.

Bei früheren Parlamentswahlen spielte ihre Partei eine eher untergeordnete Rolle. Bei den letzten Wahlen erreichte sie geraden einmal 8 Sitze im Parlament. Zu wenig um politisch etwas bewegen zu können. Wie bei den Präsidentschaftswahlen werden Allianzen gegen die LePen Partei gegründet.

Bei der Stichwahl am 24. April wählten etliche Linke lieber Macron um eine Präsidentin LePen zu verhindern. Nicht weil sie Macron gut fanden, sondern LePen so schlecht. In der regionalen Politik verhält es sich ähnlich. Dort wo der “RN” relativ stark vertreten ist werden auch Allianzen geschmiedet. Um Kräfte zu bündeln wird auf Wahlantritte verzichtet oder Wahlempfehlungen ausgesprochen. Rechtlich unbedenklich, politisch allerdings natürlich ein fragwürdiger Prozess. Doch auch diese Allianzen konnten bei dieser Wahl nicht das Ergebnis des “RN” verhindern.

Mit 20,78 % der Stimmen erhält der “RN” nun 89 Sitze im Parlament und ist drittstärkste Kraft. Ein historisches Ergebnis und eine riesige Schlappe für Macron. Der Präsident muss nun mit einer Minderheitsregierung seine nächste Amtszeit verbringen. Mit wem er in Verhandlungen geht ist aktuell noch offen.

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