Noch vor über fünfzig Jahren gab es in Deutschland kaum Kitas. Die Kinder sind in aller Regel zwischen drei und vier Jahren in den Kindergarten gegangen. Eine U3-Betreuung im heutigen Ausmaß fand eher über private Tagesmütter, aber weitestgehend Zuhause durch die Mutter oder Familie statt. In der modernen Familie hingegen ist es fast Standard, dass die Kinder mit spätestens zwei Jahren, häufig auch früher, Kindertageseinrichtungen besuchen.

Dies hat eine Vielzahl an Gründen, welche sich vereinen. Einer davon ist sicherlich die angestrebte Frauenquote in den Führungspositionen, aber auch der Blick aufs Rentensystem. Um unser Sozialsystem auch nur annähernd aufrecht zu erhalten, sollte die Frau von heute nicht nur mindestens zwei Kinder bekommen, sondern eben auch in das System einzahlen, also arbeiten und zwar am besten Vollzeit.

Entsprechend viele Kita-Plätze werden im Land benötigt. Doch genau daran hapert es seit Jahren. In den nächsten Jahren rechnet man mit einem Erziehermangel von bis zu 230.000 Erziehern, so gestern in der Tagesschau veröffentlicht. Daran sind nach Angaben der meisten Erzieherinnen die Voraussetzungen für eine fünfjährige Ausbildung mit fast unvergütetem Gehalt (teilweise lediglich 500 € im vierten Ausbildungsjahr) schuld, aber auch die wachsende psychische Belastung.

Der Personalschlüssel ist extrem gering, der individuelle Druck jedem Kind gerecht zu werden, erstickt von Arbeiten rund um Bürokratie, die insbesondere in der Corona-Pandemie noch größere Ausmaße angenommen hat. Der Engpass der Erzieher wird 2026, wenn der Ganztagesanspruch in Grundschulen durchgesetzt werden soll, noch weiter in die Höhe schnellen. Auch wenn Städte und Bund versuchen mit Geldern dem Schlamassel Herr zu werden, so sind die Aussichten nicht allzu vielversprechend, dass dieses Problem schnell gelöst werden wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.