Nach vorläufigen Zahlen des statistischen Bundesamtes steigt die Inflation in Deutschland im Juli auf 3,8% und ist damit so hoch wie seit 30 Jahren nicht mehr. Als Ursache wird ein statistischer Basiseffekt aufgeführt: Die coronabedingte Senkung der Mehrwertsteuer von 19% auf 16% im zweiten Halbjahr 2020. Seit dem 01.01.2021 gelten wieder die höheren Mehrwertsteuersätze. Die Statistiker beziffern diesen Effekt auf 1,6% (Quelle 1). 
Im Euroraum liegt die vorläufige Inflationsrate per Ende Juli bei 2,2% (Quelle 2).

Die EZB will eine Preissteigerung von 2%

Die EZB strebt in ihrer Stratgie eine Preissteigerung von 2% im Euroraum an. Dabei lässt sie neuerdings auch eine Überschreitung dieser Zielmarke zu, sofern es in den Vorjahren Inflationsraten unter 2% gab. Auch ist die vorherrschende bzw. die an die Öffentlichkeit kommunizierte Meinung der EZB, dass die Inflation derzeit ein vorübergehendes Phänomen sei. Daher ist eine Reaktion in Form der Erhöhung der rekordtiefen Zinsen der EZB in den nächsten Monaten nicht zu erwarten.  Weiterhin werden so die überschuldeten staatlichen Haushalte in der Eurozone entlastet. Zu tragen haben dies die Sparer, welche durch eine nicht demokratisch legitimierte Steuer, die “Inflationssteuer”, kalt enteignet werden. Aber auch Arbeitnehmer, Renter und Beamte, deren Einkommen nicht in der gleichen Geschwindigkeit steigen. Das Risiko, dass bei länger anhaltenden Preissteigerungen Zweitrundeneffekte einsetzen (z.B. höhere Tarifabschlüsse) sich die Inflation weiter verstetigt wird ignoriert, bzw. durch Verbalakrobatik verharmlost.

Die SZ siet derzeit noch keinen Grund zur Panik (Quelle 3), aber auch nicht zur Vorsorge. Hier sollten die Erzeugerpreise im Auge behalten werden, da diese auch als Frühindikator für zukünftige Preissteigerungen gelten. Denn irgendwann, so wird erwartet, werden diese Preissteigerungen für Rohstoffe und Vorleistungen nicht mehr über die Marge abgefangen werden können, sondern an die Verbraucher weitergegeben. Für diese wurde jetzt im Juli eine Preissteigerung von 8,5% zu Vorjahr gemeldet bzw. 1,3% zum Vormonat.

Quelle 1:

https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/07/PD21_363_611.html;jsessionid=6FC5EA8A3E1A204171CA0D575402D1D9.live721

Quelle 2: 

https://www.inflationsrate.com/[https://www.inflationsrate.com/]

Quelle 3: 

https://www.sueddeutsche.de/meinung/deutschland-inflation-mehrwertsteuer-konsum-1.5367683[https://www.sueddeutsche.de/meinung/deutschland-inflation-mehrwertsteuer-konsum-1.5367683]

Quelle 4:

https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/07/PD21_349_61241.html;jsessionid=E5404285B15733BB1F7C57063F4FBD1F.live722[https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/07/PD21_349_61241.html;jsessionid=E5404285B15733BB1F7C57063F4FBD1F.live722]

Ein Gedanke zu „Inflation in Deutschland steigt auf 3,8% – so hoch wie seit 30 Jahren nicht mehr“

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