Am Rande der Debatte um die Tornado-Nachfolge ist das Projekt FCAS wieder ins Gespräch gekommen. Die Abkürzung steht für „Future Combat Air System“, zu Deutsch in etwa „Zukünftiges Luftkampfsystem“. Frankreich möchte in diesem Projekt den Hut aufhaben. Ordnet sich Deutschland unter?

Es handelt sich um ein deutsch-spanisch-französisches Programm zur Entwicklung eines Systems, welches erstmals im Jahr 2001 durch eine Studie erprobt wurde. Es soll aus einem bemannten Mehrzweckkampfflugzeug (der 6. Generation), unbemannten Drohnen als Begleitflugzeuge und einem Informations- und Missionsmanagement System bestehen. Das neue Kampfflugzeug soll voraussichtlich ab 2040 eingesetzt werden und jeweils den Eurofighter, Tornado-Nachfolger und den Rafale-Jet (franz. Kampfflugzeug) ersetzen.

Die Kooperation der beteiligten Unternehmen, darunter Dassault Aviation (französisch) und Airbus Defence and space (europäisch) gestaltet sich jedoch schwierig. Unklarheit untereinander herrscht beispielsweise bei der Arbeitsteilung, der Rollen im Programm und dem Anspruch des geistigen Eigentums. Von französischer Seite befürchtet man einen Verlust der Vorreiterrolle in der EU, im Sinne von Technologie u. Wirtschaft, sowie einen Technologietransfer nach Deutschland. Auf deutscher Seite sieht man hauptsächlich französische Interessen vertreten, sowie ungenutztes deutsches „Know-how“.

An Absurdität kaum zu übertreffen ist jedoch die Forderung Frankreichs, nach Fertigstellung des neuen Systems bestimmen zu dürfen, wer diese in welchem Ausmaß einsetzen darf. Zurecht befürchtet man in Deutschland, dass sich aus dem gemeinschaftlichen Projekt ein „Rafale-Plus“ entwickelt mit deutschen und spanischen Finanzierungshilfen. Von Seiten Dassault Aviation wurde unter anderem schon indirekt angedroht, dass ein Plan B bereits in der Schublade liegt. An dieser Stelle sei angemerkt, dass der französische Rüstungskonzern in Sachen Tarnkappenfähigkeit, Drohnen usw. deutlich fortschrittlichere Technik besitzt, sich der Sinn nach einem europäischen Rüstungsprojekt dann aber bei dieser Haltung nicht ganz erschließt.

Trotz der Streitigkeiten und dem Kauf der F-35 bestätigte Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) eine Fortsetzung des Projektes, welches ursprünglich von der ehem. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem franz. Staatspräsidenten Emmanuel Macron verkündet wurde.

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