Quelle: Wikimedia

Im Fall um Gil Ofarim und den antisemitischen Vorfall im Leipziger Hotel “The Westin Leipzig”, gibt es nun offenbar eine entscheidende Wendung. Der Fall hatte eine landesweite Empörung und eine Diskussion über Antisemitismus in Deutschland ausgelöst.

Ofarim warf einem Mitarbeiter der Rezeption vor ihn absichtlich lange in der Schlange habe warten zu lassen. Auf Nachfrage Ofarims warum andere Leute vorgezogen werden und vor ihm dran kommen wurde ihm angeblich entgegnet “Pack deinen Stern weg”. Mit dem Stern war Ofarims Davidstern gemeint, den er um den Hals an einer Kette trug. Nach eigenen Aussagen des jüdischen Musikers ist der Anhänger ein Geschenk von seinem verstorbenen Vater, den er immer bei sich trägt und nie abnimmt.

Der betroffene Hotelmitarbeiter, der von der Arbeit vorübergehend freigestellt wurde, hatte angegeben am besagten Abend keinen Davidstern gesehen zu haben. Vielmehr gab es ein Wortgefecht, weil drei Gäste vorgelassen wurden und Ofarim daraufhin verärgert gewesen sein soll. Die Aussage von Ofarim war damit also bereits erheblich in Frage gestellt worden. Der Mitarbeiter hatte auch eine Strafanzeige gegen Ofarim wegen Verleumdung gestellt, ein weiterer Beleg dafür, dass der Mitarbeiter mit Sicherheit bei seiner Aussage bleiben würde.

In den sozialen Netzwerken hatten sich wie so oft zwei Lager gebildet. Das eine gab Ofarim uneingeschränkt Recht und glaubte der Aussage. Auf der anderen Seite gab es aber auch erhebliche Kritik.

“Warum macht man zuerst ein Video auf Instagram nachdem man antisemitisch beleidigt wurde?”, “Warum zeigt er den Mitarbeiter erst jetzt an, nachdem er (Ofarim) jetzt von ihm angezeigt wurde?” oder “War Ofarim vielleicht gekränkt, weil er als Z-Promi keine Sonderbehandlung bekam und sich in der Warteschlange anstellen musste?” waren einige der Kommentare die man in den sozialen Netzwerken zu lesen bekam.

Erst Instagram – dann der Rechtsstaat

Die Aussagen zielen darauf ab, dass Ofarim zuerst ein knapp zweiminütiges Video auf Instagram hochgeladen hatte in dem er den Vorfall schildert. Er sitzt dabei vor dem Hotel auf einem Bordstein und kämpft während des gesamten Videos mit den Tränen. Dabei blendet er auch immer wieder das Namensschild des Hotels ein. Das Video hatte dazu geführt, dass vor dem Hotel Kundgebungen der örtlichen linksextremen Szene abgehalten wurden. Unter anderem wurden auch Hotelmitarbeiter von den Demonstranten bedroht.

Eine Anzeige wegen Volksverhetzung und/oder Beleidigung blieb von Ofarim allerdings zunächst aus. Erst als der Hotelmitarbeiter Anzeige gegen ihn stellte reagierte der Musiker mit einer Gegenanzeige.

Auswertung der Kameras liegt nun vor

Nun werfen Aufnahmen der Überwachungskameras erhebliche Zweifel an Ofarims Aussage auf. Laut der “Bild am Sonntag” soll auf den Aufnahmen zu sehen sein, dass Ofarim gar keine Kette mit Davidstern trug als er das Hotel betrat. Die Aussage des Mitarbeiters wird also durch diese Aufnahmen erheblich gestärkt.

Kette spielt auf einmal keine große Rolle mehr

Gegenüber der “Bild am Sonntag” antwortete Ofarim, dass es nicht darum gehe “ob die Kette zu sehen war”. “Es gehe darum, dass er antisemitisch beleidigt wurde.” Eine Aussage, die noch mehr Fragen aufwirft als dass sie Antworten gibt. Der gesamt Vorfall war auf der Kette mit dem Davidstern Anhänger aufgebaut, nachdem sich herausstellt, dass diese Kette nicht sichtbar war als er das Hotel betrat, spielt sie nun im Nachgang auf einmal keine Rolle mehr. Ein Umstand, der an der ursprünglichen Aussage stark zweifeln lässt.

Medien berichteten einseitig

Sämtliche großen Medien berichteten sehr einseitig in diesem Fall. Auf das Hotel und den Mitarbeiter begann eine regelrechte Hexenjagd. Durch die negative Berichterstattung dürfte das Hotel mit Sicherheit einen wirtschaftlichen Schaden genommen haben. Der Mitarbeiter selbst ist für lange Zeit “gebrandmarkt”. Selbst wenn sich seine Unschuld rechtskräftig herausstellen sollte, wird immer ein Verdacht an ihm kleben bleiben den er nicht mehr so schnell los wird.

Deutschland aktuell – Bericht erst nach Arbeit der Polizei

Um nicht Teil dieser Hexenjagd zu sein entschied sich unsere Redaktion mit einem Bericht abzuwarten bis erste handfeste Beweise z.B. in Form von Videoaufnahmen vorliegen. Dies ist nun der Fall. Das Ergebnis gibt uns und unserer Entscheidung Recht. Vielleicht sollten sich auch einmal die etablierten Medien wieder faktenbasierte Berichterstattung auf die Fahne schreiben und erst beide Seiten anhören und die polizeilichen Ermittlungen abwarten, bevor man voreilig Menschen verurteilt und öffentlich an den Pranger stellt.

Bildquelle: © Superbass / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), 2018-05-14-Gil Ofarim-hart aber fair-9038CC BY-SA 4.0

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