Aufgrund der aktuellen Lage und des öffentlichen Drucks stoppen Deutschland und weitere EU-Staaten die Abschiebungen nach Afghanistan. Seit dem Abzug der ausländischen Truppen hat die radikalislamische Taliban weite Teile des Landes zurückerobern können. 

Der Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte am gestrigen Mittwoch: “Der Bundesinnenminister hat aufgrund der aktuellen Entwicklung der Sicherheitslage entschieden, Abschiebungen nach Afghanistan zunächst auszusetzen”. Mehr als ein Zehntel (10,6 %) der in der EU schutzsuchenden Menschen kommen mittlerweile aus Afghanistan. Damit stellten Afghanen im Jahr 2020 die zweitmeisten Asylanträge. Syrer führen diese Statistik an (15,6 %). 

Behörden aus Afghanistan behindern schon seit Wochen die Abschiebungen, weshalb es zu deutlichen Verzögerungen gekommen war. Durch die zusätzliche Aussetzung wird es aller Wahrscheinlichkeit nach Monate dauern bis abgelehnte Asylanträge umgesetzt werden. Experten erwarten durch die ausgesetzten Abschiebungen einen deutlichen Zuwachs von asylsuchenden Menschen in der EU. Der Abschiebestopp wird aller Wahrscheinlichkeit noch deutlich mehr Afghanen dazu verleiten in die EU zu flüchten. 

In den letzten Wochen machten die Taliban immer mehr Gebietsgewinne. In Afghanistan gibt es knapp 400 Bezirke, mehr als die Hälfte wird bereits von den Truppen der Taliban kontrolliert. Nachdem in den letzten Wochen hauptsächlich ländliche Gebiete eingenommen und damit schnell große Landmassen erobert wurden, trauen sich die Taliban nun an die größeren Städte heran (Deutschland aktuell berichtete – Taliban erobern Kundus zurück ). Insgesamt neun von 34 Provinzhauptstädten stehen mittlerweile unter der Gewalt der Taliban.

Der von Deutschland unterstützte Einsatz in Afghanistan war der längste und teuerste geführte Krieg der USA. 59 deutsche Bundeswehrsoldaten sind im Afghanistankrieg gefallen. Die Sinnhaftigkeit dieses Einsatzes ist nach dem Abzug der ausländischen Truppen mehr und mehr zu hinterfragen.

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