Das beschlossene Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr, als Reaktion auf den Krieg in der Ukraine, will der deutsche Staat unter anderem nutzen, um die Luftwaffe aufzurüsten.

Der Tornado hat ausgedient

Der Panavia 200 (PA-200) Tornado, oftmals einfach als Tornado abgekürzt, ist ein atomwaffenfähiges Mehrzweckkampfflugzeug, welches vor über 40 Jahren in Kooperation vom Vereinigten Königreich, Italien und Deutschland entwickelt wurde. Die deutschen Luftstreitkräfte verfügen über noch rund 85 Tornados, wobei diese nicht mehr wirtschaftlich sind und die Technik mittlerweile als veraltet gilt.

Nachfolger gesucht

Anfang dieses Jahres wurde bekanntgegeben, dass Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) an der Planung für die Tornado Nachfolge arbeiten. Der Austausch der alten Kampfflugzeuge durch modernere Modelle wurde bereits im Koalitionsprogramm der Ampel-Regierung festgeschrieben und soll unter anderem die „nukleare Teilhabe Deutschlands“ sichern, ein Programm der Nato, welches auf die Abschreckung zielen soll. Das europäische FCAS-Programm (FCAS steht für: Future Combat Air System) soll jedoch, ungeachtet der Neubeschaffung, weitergeführt werden.

Bereits im Januar wurde für die potenziellen Nachfolger, F18 und F35, ein Prüfauftrag erteilt, wobei die F-18 vom US-amerikanischen Hersteller Boeing bereits unter der vorherigen Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) im Gespräch war. Allerdings müsste die F18 für Atomwaffen mit weiterem Aufwand erst von den USA zertifiziert werden, weshalb die Entscheidung auf die F35 fiel.

Vorgesehen ist der Kauf von 35 Mehrzweckkampfflugzeugen des Typs Lockheed Martin F35 Lightning II (der 5. Generation), welche vom gleichnamigen US-amerikanischen Hersteller Lockheed Martin seit 2011 in Serie produziert werden. Im Jahr 2025 sollen dann die ersten deutschen Piloten in den USA ausgebildet werden, zwei Jahre später die ersten Einsätze mit der F35 erfolgen. Zusätzlich sollen die Luftstreitkräfte vorerst mit 15 weiteren Eurofightern des Typs Typhoon ausgestattet werden.

Modernste Technik

Die F35 wird bereits von einigen europäischen Ländern eingesetzt, unter anderem von Italien, dem Vereinigten Königreich, Schweiz, Finnland – aber auch außerhalb Europas wie in Japan und Südkorea. Dabei wird die F35 in drei Variationen gebaut, welche für jeweils für einen konventionellen Start, Senkrechtstart und trägergestützten Start geeignet sind.

Die bedeutendste Eigenschaft der F35 ist die ausgeprägte Tarnkappeneigenschaft, welche es für feindliche Aufklärungstechnik beinahe unsichtbar macht. Ein weiterer großer Vorteil ist die „vernetzte Kriegsführung“, welche erreicht wird durch einen stetigen Austausch von Informationen mit verbündeten Systemen und so eine Bedrohung frühzeitig ausgeschaltet werden kann, selbst ohne eigenen Sichtkontakt.

Das Waffenarsenal kann sich sicherlich sehen lassen: Eine Gatling-Kanone mit verschiedenen Munitionstypen, gelenkte Bomben, Raketen für Luft- und Bodenziele und Systeme zur elektronischen Kriegsführung. Auch ansonsten ist die Ausrüstung sehr beeindruckend: Panorama-Cockpit, digitale 360° Rundumsicht vom Jet, Infrarot-Zielsystem, Multifunktionsradar und viele weitere Extras. Besonders imposant ist der Helm: Flug- und Ziel-Daten erscheinen dem Piloten auf der Scheibe des Helmes, auch kann durch Augenbewegung zwischen mehreren Ansichten gewechselt werden, inklusive eingebautem Nachtsichtgerät.

Kostspieliges Unterfangen

Die hochmoderne Ausrüstung hat allerdings ihren Preis: Die Kosten für die 35 Kampfjets soll sich auf ca. 4 Milliarden Euro belaufen, wobei von einem Stückpreis von 100 Millionen, teilweise ist die Rede von 145 Millionen Dollar, ausgegangen werden kann. Zusätzlich werden für den Umbau von deutschen Militärflughäfen schätzungsweise weitere Kosten in Höhe von mehreren hunderten Millionen anfallen. Um den Anforderungen des neuen Kampfjets aus den USA gerecht zu werden, sind spezielle Sicht- und Spionageschutzvorrichtungen notwendig.

Der Neuzugang ist auch in Sachen Nutzung kein Schnäppchen: Ein Helm kostet umgerechnet 400.000 Euro und wird für jeden Piloten passgenau gefertigt. Eine Flugstunde kostet um die 35.000 Euro, ist damit also scheinbar günstig, jedoch erweist sich der Unterhalt der Jets im Normalfall deutlich teurer und als Nachteil.

Auch in den USA ist die Kostenfrage nicht umsonst ein oft diskutiertes Thema. Der Jet gilt als teuerstes Rüstungsprogramm in der Geschichte der USA, mit einer Bestellung der US-Streitkräfte von 2.440 Maschinen bei einem Stückpreis von ca. 160 Millionen Dollar zusammen mit den Kosten für Instandhaltung bis 2070 ergibt das laut Pentagon ein Gesamtvolumen von 1,5 Billionen Dollar (amerikanisch: 1,5 Trillion).

Noch Entwicklungsbedarf

Beim Thema Ausrüstung hat die Bundeswehr in den vergangen Jahren einige negative Schlagzeilen erzeugt. Von überhitzen G36 Gewehren bei hohen Außentemperaturen, über Marinehubschraubern die seeuntauglich sind bis zu einer hohen Ausfallquote bei Fahrzeugen war alles dabei.

Nach Ankündigung des deutschen Interesses an der F35 ist zeitnah ein Bericht aufgetaucht, welcher vom Pentagon stammt und von einer NGO veröffentlicht wurde. In diesem wird von über 800 Mängeln berichtet, beispielsweise eine schlechte Verfügbarkeit bei Einzelteilen der Turbine. Weiter beinhaltet der Jet erhebliche Softwareprobleme und eine fehlende Kompatibilität mit B61-Atombmben, welche im Fliegerhorst Büchel (Eifel) lagern. Der Jet wird teilweise sogar als unzuverlässig beschrieben, welcher im Jahresschnitt nur zu 54 Prozent einsatzbereit war (US-Bericht).

Schlusswort

Die angekündigte Beschaffung der F35 verschärft das bereits vorbelastete Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland im FCAS-Programm weiter. Zudem begibt sich Deutschland weiter in die Abhängigkeit der USA. Die Jets inklusive der Ersatzteile werden ausschließlich vom US-amerikanischen Hersteller Lockheed Martin gefertigt, ein Lieferstopp wäre also ein denkbares politisches Druckmittel.

Viel entscheidender ist jedoch das Signal, welches die Bundesregierung mit ihrem Kauf an die andere Seite des Atlantiks sendet: Gefolgschaft Deutschlands unter der Führung der USA. Es bleibt abzuwarten, wie sich das FCAS-Programm weiter entwickeln wird.

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