Die derzeitige Familienministerin versucht sich in einem Interview zu erklären. Dort gibt sie zu, dass sie die Öffentlichkeit dreist belogen hat. In der Affäre um ihren Frankreich-Urlaub während der Flutkatastrophe im Ahrtal gibt es für die Politikerin jetzt eigentlich nur noch eine Möglichkeit Gesicht zu wahren – mit einem Rücktritt.

Gestern Abend verkündete die Ministerin: „Das war ein Fehler, dass wir so lange in Urlaub gefahren sind und ich bitte für diesen Fehler um Entschuldigung“. Spiegel redet also von einem Fehler. Während Menschen verzweifelt um ihr Hab und Gut kämpften, viele ihre vermissten Angehörigen suchten und Rettungskräfte bis ans Ende ihrer Kräfte alles gaben, macht die Ministerin einen “Fehler”.

Es war aber kein Fehler, sondern gleicht einer Verächtlichmachung der Bürgerinnen und Bürger. Wer als Ministerin in einer solchen Lage nicht erkennt, dass ein Urlaub jetzt das Letzte ist, was auf der Tagesordnung stehen darf, der ist fachlich und menschlich für solch ein Amt nicht geeignet. Wer dann noch versucht mit Lügen seinen Kopf zu retten, der ist nicht mehr tragbar für solch einen Posten.

Die Familienministerin, damals noch Umweltministerin in Rheinland-Pfalz, gab über ihren Sprecher bekannt, dass sie zwar im Urlaub war, aber an allen Kabinettsitzungen digital teilgenommen hatte. Sogar im öffentlich-rechtlichen Fernsehen wurde dies wiederholt. Fakt ist, dass die Ministerin damit die Öffentlichkeit belogen hat. In Wahrheit nahm sie an keiner einzigen Sitzung teil.

Nun soll es eine “schwierige Familiensituation” gewesen sein, die dazu führte, dass sie diese vier Wochen Auszeit benötigte. Während Menschen um ihr Leben kämpften und ihre Liebsten verloren haben, will die Ministerin Anerkennung für ihre “schwierige Familiensituation”. Anhand dieser Aussagen erkennt man wie Ich-fixiert Frau Spiegel sein muss. Selbst jetzt, nachdem ihre Lügen aufgedeckt wurden, sieht sie sich im Recht.

Von ihrer Partei erwartet sie eine zweite Chance. Angesichts der wichtigen Wahlen in NRW im kommenden Monat, darf man gespannt sein, ob die Grünen solch ein Verhalten wirklich durchgehen lassen. Sollte sie zurücktreten, hätte die Ampelkoalition nach gerade einmal knapp einem halben Jahr ihre erste große personelle Krise und die Grünen, als Regierungspartei, ein mehr als schlechtes Zwischenzeugnis.

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