Kaum ist der neue Bundestag gewählt, geht es bei der AfD wieder in den Krisenmodus. Zwei Abgeordnete haben die Bundestagsfraktion bereits verlassen. Hohe Parteimitglieder rechnen mit weiteren Austritten. Die Partei befindet sich in einer Krise.

Die beiden Abgeordneten Uwe Witt und Johannes Huber haben die AfD-Bundestagsfraktion verlassen und ihren Austritt aus der Partei erklärt. Beide bleiben als Einzelabgeordnete im Bundestag, ihr Mandat möchten sie nicht niederlegen. Zumindest Witt gab an, dass er die Partei aufgrund von “Grenzüberschreitungen” von einzelnen Mitgliedern verlassen habe.

Diese Grenzüberschreitungen schienen ihm vor der Bundestagswahl noch nicht aufgefallen zu sein, denn sonst hätte er die Partei auch früher verlassen können, anstatt sie als Gehilfin für seine Wahl zum Mitglied des Bundestags auszunutzen.

Nun ist die Fraktion der AfD im Bundestag bereits nach sehr kurzer Zeit geschwächt worden. Mit den beiden Austritten hat die Fraktion aktuell eine Stärke von 80 Abgeordneten.

Die Partei steckt weiterhin in der Krise

Anhand der Austritte sieht man einmal mehr, dass die Partei nach wie vor in einer tiefen Krise steckt. Noch immer tobt in der Partei ein Streit über die genaue politische Ausrichtung. Das Ergebis der Bundestagswahl war nicht zufriedenstellend und die beiden Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla sind in der Partei umstritten.

Der NRW Ladesvorsitzende Rüdiger Lucassen sieht in der Fraktion “Grundsätzliche Probleme” und geht davon aus, dass die beiden Austritte nicht die letzten in der aktuellen Legislaturperiode bleiben werden. Dies teilte der Politiker öffentlich mit. Ein grundsätzliches Problem der AfD. Unstimmigkeiten werden fast immer in der Öffentlichkeit ausgetragen, anstatt hinter verschlossenen Türen. Die Folge sind stetig fallende Ergebnisse und schlechte Umfragewerte. In der aktuellen Krise müsste die Partei eigentlich Lösungsangebote parat haben. Aber auf die drängenden Fragen der Zeit hat die Partei kaum Antworten.

Kein einheitlicher Umgang mit Bürgerprotesten – Unvereinbarkeit mit “Freien Sachsen”

Auch in Bezug auf die Massenproteste der Bürger gegen die anhaltenden Corona-Maßnahmen hat die Partei keine genaue Ausrichtung. Während sich mache AfD-Politiker auf die Seite der Bürgerproteste stellen, distanzieren sich auch einige öffentlich davon.

Zudem bekommt die Partei in Sachsen Konkurrenz durch die Kleinpartei “Freie Sachsen”. Diese vereinnahmt aktuell den Straßenprotest für sich und sorgt über den eigenen Telegram-Kanal mit über 131.000 Abonnenten für eine breite Aufkläung in der Gesellschaft.

Es gab bereits Forderungen innerhalb der AfD, die “Freien Sachsen” auf die Unvereinbarkeitsliste zu setzen. Auf dieser Liste stehen Parteien und Organisationen, mit denen die AfD grundsätzlich nicht zusammen arbeitet. Wer einmal Mitlgied in einer der aufgelisteten Gruppen war, hat quasi keine Möglichkeit mehr der AfD als Mitglied beizutreten.

Bundestagsfraktionschef Tino Chrupalla dementierte nun, dass es diesen Schritt geben werde und man jeden friedlichen Bürgerprotest unterstützen würde. Es wäre nicht überraschend, wenn schon morgen ein weiteres hochrangiges AfD-Mitglied wieder das genau Gegenteil fordert und sich öffentlich vom friedlichen Bürgerprotest distanziert.

Ein Gedanke zu „AfD-Politiker verlassen Bundestagsfraktion“
  1. Das Problem ist nicht nur, dass die Probleme in der Öffentlichkeit geklärt werden, sondern dass es die Personen in dieser Partei offensichtlich niemals schaffen, geklärte Themen ruhen zu lassen und zurück zur Tagesordnung zu kehren. Ich habe das Gefühl, dass ein Problem erst dann wirklich geklärt ist, wenn es eine Seite nicht mehr gibt oder diese mindestens “degradiert” wurde. Diese “ich behalte mein Mandat” Mentalität lässt sich von mir aus noch nachvollziehen, wenn jemand über ein Direktmandat in den Bundestag gekommen ist. Mit allen anderen sollte im Vorfeld geklärt werden, daß beim freiwilligen verlassen der Fraktion oder Partei das Mandat niedergelegt werden muss. Ohne wenn und aber.

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