Bereits am Freitag teilte Jörg Meuthen, Bundessprecher der “Alternative für Deutschland”, mit, dass er mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurücktritt und die Partei verlässt. Der gewählte Zeitpunkt spricht Bände. Kann die Partei aus dieser Situation einen Vorteil schaffen und endlich geschlossen auftreten?

Jörg Meuthen war sechseinhalb Jahre einer der beiden Vorsitzenden der AfD. Zuletzt teilte er sich das Amt mit Tino Chrupalla. Dieses Führungsduo veranschaulichte wie kein zweites die gespaltene AfD. Chrupalla hat wenig Berührungsängste zu anderen patrotischen Gruppierungen, auch zum aktuellen Straßenprotest gegen die Corona Maßnahmen.

Meuthen hingegen galt lange Zeit innerhalb und außerhalb der Partei als Spalter und Aufstachler. Manche sagten ihm auch nach, dass er seine Abgrenzung nicht aus politischen sondern aus taktischen Gründen vollführt. Man bedenke den Ausschluss von Andreas Kalbitz, der mit seinem Landesverband sensationell gute Wahlergebnisse eingefahren hat. Unter anderem war es Meuthen, der für seinen Parteiausschluss sorgte.

Unvergessen auch seine Rede auf dem Parteitag 2020 in Kalkar, als er offen den Straßenprotest diffamierte und jedes AfD Mitglied warnte mit ihnen gemeinsame Sache zu machen. Die Rede führte dazu, das Meuthen von einem kleinen Teil in der Halle bejubelt, vom Großteil aber ausgebuht wurde. Alexander Gauland, Ehrenvorsitzender der Partei, warf ihm später offen Spaltung vor.

Von Fällen wie diesen gibt es noch dutzende Beispiele mehr, das Schema ist allerdings immer das gleiche gewesen. Meuthen konnte es nicht unterlassen parteiinterne Streitereien in der Öffentlichkeit auszutragen, während die “andere Seite” dies stets intern klären wollte. Damit schadete er dem Ansehen der Partei mehrmals. Er schreckte auch nicht davor zurück solche Diffamierungen in Wahlkampfzeiten zu veröffentlichen, die Partei dürfte es damit etliche Stimmen gekostet haben.

Ist der Austritt eine Chance für einen Neuanfang?

Auch der gewählte Zeitpunkt seines Rücktritts zeigt die “politische Klasse” des Jörg Meuthen. Normalerweise hätte im Dezember 2021 der letzte Bundesparteitag stattfinden sollen. Coronabedingt wurde dieser Parteitag auf Anfang 2022 verschoben. Es ist davon auszugehen, dass Meuthen bei diesem Parteitag abgewählt worden wäre.

Um diesem stillen Abgang zuvor zu kommen, kam jetzt der Austritt auf eigene Faust. Natürlich medien- und öffentlichkeitswirksam per Facebook und natürlich ebenfalls damit verbunden, nochmal gegen die Partei und die Mitglieder zu schießen. Einen leisen und ehrenvollen Abgang hätte man diesem Mann auch nicht zugetraut.

AfD Bundessprecher Tino Chrupalla sagte bereits, dass die “Spaltung der AfD beendet sei”. Was viele hinter vorgehaltener Hand sagten spricht er nun direkt aus. Meuthen war für die Partei kein guter Bundessprecher, niemand, der die Partei einigen konnte, sondern die Gräben zwischen den Lagern sogar noch vertiefte.

Sein Austritt dürfte die Partei vielleicht noch ein paar seiner Anhänger kosten. Insgesamt dürften es allerdings nur wenige Austritte sein, die folgen werden. Auf der anderen Seite bringt der AfD der Austritt von Meuthen vielleicht endlich ein paar neue Mitglieder, die zuvor keine Lust auf die internen Streitereien hatten.

Als prominentes Beispiel dient hier bereits Erika Steinbach, die nach dem Rücktritt von Meuthen in die Partei eingetreten ist. Steinbach war von 1990 bis 2017 Mitglied des Deutschen Bundestags und von 1998 bis 2014 Vorsitzende des Bunds der Vertriebenen. Politisch also ein Schwergewicht, dass auch über ein gutes, eigenens Netzwerk verfügt. Die Partei sollte die Chance für einen Neuanfang nutzen, eventuell folgen noch viele weitere neue Mitlgieder die aktiv dafür arbeiten, dass die Partei weiter kommt.

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