2002 wurde der Euro in Deutschland als Teil der Eurozone als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt. Gibt es eigentlich eine historische Parallele zum Euro? Und wie ging diese damals aus? So viel sei gesagt: „Nicht gut.”

Die Euroeinführung war das staatenübergreifende politische Projekt des ausgehenden letzten Jahrhunderts.

Es ist bis heute umstritten, inwiefern Frankreich die Euroeinführung zur Bedingung für die deutsch-deutsche Wiedervereinigung machte. Denn vor der Wiedervereinigung lag die Bevölkerung in Frankreich bei ungefähr 60 Millionen, ebenso in Italien, Großbritannien und auch Deutschland. Nun kamen zu 20 Millionen Deutsche hinzu. Zusätzlich hatte Deutschland damals eine enorme Wirtschaftskraft, was sich in einer starken DM zeigte.

Dies weckte Bedenken und uralte Ängste in Paris und es wurde versucht Deutschland durch eine europäische Integration zu neutralisieren. Flankiert wird dies vom Grundgesetz §23, in dem festgehalten ist, dass das Staatsziel der BRD die Europäische Union ist, wozu auch eine gemeinsame Währung gehört.

Zu dem Zeitpunkt war in Deutschland mit Helmut Kohl ein überzeugter Europäer Bundeskanzler. Er stimmte gerne der Euroeinführung zu. Der zweifelnde deutsche Bürger wurde mit den Stabilitätskriterien im Maastricht-Vertrag beruhigt, welche von den Euro-Ländern einzuhalten seien, was damals schon Wunschdenken war (Staatsschuldenquote von 60%, max. 3% Neuverschuldung pro Jahr, …). Eine echte, ergebnisoffene öffentliche Debatte gab es nicht, auch nicht in den damaligen Medien.

Das der Euro ein politisches und kein ökonomisches Projekt ist, zeigte sich bereits ein paar Jahre nach der Euroeinführung. Die wirtschaftlich schwächeren Staaten im Süden, wie Griechenland, Italien, Spanien oder Portugal hatten bis dahin mit Wettbewerbsnachteile ihrer Wirtschaft mit einer Abwertung ihrer Währung ausgeglichen. Dieses Instrument steht ihnen nicht mehr zur Verfügung und ihre Wirtschaft darbt aufgrund zu hoher Preise. Hinzu kommt eine stark steigende Staatsverschuldung, die bereits in der Staatsschuldenkriese in Griechenland und dann in der Eurokrise mündete. Diese Überschuldung wurde erst durch die niedrigen Zinsen ermöglicht, die sie ohne den Euro nicht bekommen hätten.

Heute haben wir in der Eurozone Inflationsraten von über 5%, ein Gegensteuern der EZB ist nicht möglich, ohne die überschuldeten Staatshaushalte in den Bankrott zu treiben.

Was weniger bekannt ist, es gibt eine Parallele zum Euro. Dies ist die lateinische Münzunion von 1865 bis faktisch 1914. Es ist bezeichnend, dass hierüber nichts an deutschen Schulen oder Hochschulen gelehrt wird.

Gründungsmitglieder waren damals Italien, Frankreich, Schweiz und Belgien. Drei Jahre später kam noch Griechenland hinzu.

Marius Kleinheyer von Flossbach von Storch hat die Parallelen zwischen der lateinischen Währungsunion und dem Euro analysiert. Flossbach von Storch ist einer der renommiertesten deutschen Vermögensverwalter. Sein Ergebnis ist erschreckend.

Damals gab es die gleiche offizielle Begründung für Gründung der Münzunion: Der grenzüberschreitende Handel soll gefördert und vereinfacht werden.

Damals wie heute sollte nach der Neuordnung des Geldsystems eine Neuordnung Europas folgen, jenseits nationaler Grenzen. Es taugte jedoch damals wie heute nicht als Instrument zur Neuordnung von Ländern und Gesellschaften – spaltete anstatt zu einen.

Die Situation von Italien und Griechenland ist auch überraschend unverändert, beide Länder sind damals wie heute durch eine überbordende Schuldenlast gekennzeichnet. Beide Länder versprachen ihre Staatsfinanzen in Ordnung zu bringen und die Schuldenlast zu senken, nutzten jedoch Lücken in den Vertragswerken, eben dies nicht zu tun. Damals wie heute profitierten französische Banken, welche die zusätzlichen Schulden finanzierten. Mit dem Unterschied heute, dass die Kredite heute auch vom deutschen Volk über Rettungsschirme gesichert sind.

Damals wie heute führte die wirtschaftliche Situation zu einer Kapitalflucht, weg von Griechenland und Italien. Das Geld wanderte eins zu eins vom Süden damals nach Frankreich und heute nach Deutschland und andere Nordländer. Deutschland und die anderen Länder sind nicht durch einen Wechselkurs geschützt, welcher Angebot und Nachfrage ausgleicht. Finanziert wird das heute durch die Bundesbank über die Target2-Salden, welche im Jahresrhythmus neue Rekordstände ausweisen. Faktisch ist dies ein Vermögenstransfer in den Süden.

In der Analyse von Marius Kleinhammer wird nun darauf hingewiesen, dass im 19. Jahrhundert Frankreich die militärische Macht hatte, Forderungen (also das Äquivalent zu den heutigen Target2 Salden) militärisch einzutreiben. Dies ist heute unvorstellbar. Leider sind diese Forderungen auch nicht besichert, eine Rückzahlung ist mehr als fraglich. Der Tag der Wahrheit ist der Tag, an dem ein Schuldner oder Deutschland aus dem Euro ausscheidet.

Damit eröffnet sich die zukünftige Gemeinsamkeit. Irgendwann existiert die Währungsunion nur noch, weil man die Kosten der Auflösung scheut. Im 19. Jahrhundert befürchtete man den Aufbau von Handelshemmnissen oder eine Inflation, da die Länder vom Silberstandard zum Goldstandard strebten. Heute sind es die Forderungen aus dem Target2 System, Handelshemmnisse und die politischen Folgen, besonders in Deutschland.

Das Ende der lateinischen Münzunion leitete damals der erste Weltkrieg ein. Je länger das Eurosystem aufrechterhalten wird, desto verheerender wird der Euro irgendwann scheitern. Allein schon durch die steigenden Forderungen und Schulden. Alternativ bleibt nur ein nie gesehener Vermögenstransfer vom Norden in den Süden, mit unabsehbaren Folgen in überschuldeten Ländern mit einer alternden Bevölkerung. 

Zuerst gelesen auf: https://think-beyondtheobvious.com/

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